CD-Review: Streams of Blood – Ultimate Destination (VÖ: Februar 2013)

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streams_of_blood_cover

Die Bandgeschichte von Streams of Blood liest sich ein wenig wie das Who is Who der deutschsprachigen Black-Metal-Szene: Streams of Blood wurde 2009 von Thymos (Ex-Darkened Nocturn Slaughtercult, Ex-Sargwart, Ex-Engraved) und Tavo (Ex-Engraved) gegründet. Im zerstörerisch heißen Sommer 2009 nahm die Band ihre erste Mini-CD Antilife auf, das Schlagzeug wurde von Torturer (Mor Dagor, Belphegor) eingetrümmert. Im eisig frostigen Winter 2010 schloss sich Schlagzeuger Blood Hammer (u.a. Panzerchrist, Ex-Paragon Belial) der Band an. Nach dem Erstlingsalbum The Descend to the Source of Disorder, das 2011 via Articaz und Ketzer Records veröffentlicht wurde, liegt nun dank Folter Records mit Ultimate Destination das zweite Studioalbum vor.

„Endstation“ – das schreit das Cover förmlich: Eisenbahnschienen enden neben einem völlig zerfallenen Bahnhof, alles rostet und rottet vor sich hin. Wer hier jetzt allerdings depressive Töne erwartet, wird enttäuscht: Es scheppert amtlich, wenn Streams of Blood nach der beklemmenden, schlicht „Intro“ betitelten Geräuschkulisse mit „Road to Ruin“ loslegen. Von da an steigert sich zwar das Tempo nicht mehr – schneller geht’s an den Drums wohl nicht mehr, ohne die Schallmauer zu durchbrechen –, wohl aber die Qualität der Songs. Rohes Schwarzmetall, geschmiedet mit einer guten Portion Wut, Hass und Raserei, das gefällt. Ab Song Nummer drei, „Temple of Blood“, hat mich das dynamische Duo voll auf seiner Seite. Neben höllischer Raserei hinter dem Schlagzeug finden sich immer wieder groovige Midtempo-Passagen, was „Ultimate Destination“ sehr zugute kommt und die Platte insgesamt sehr abwechslungsreich macht. Streckenweise lässt sich wohl auch ein leichter Hauch von Death Metal nicht verleugnen, aber auch das tut Streams of Blood wirklich gut. Vor allem beeindrucken, wie gesagt, die Drums, hyperschnell und abartig schöne Blasts entzücken mich einfach. Angetrieben werden die Songs von kraftvollen Riffs, die nicht zu kompliziert in der Struktur sind. Wirklich großartig ist das vorletzte Stück, „Von der Realität in das ewige Licht“, das sich wie eine Kreissäge ins Gehirn schneidet – so muss Black Metal klingen!

streams_of_blood_bandfoto

Streams of Blood machen nach eigener Aussage „Brutal Anti-Human Black Metal“ – was man getrost so stehen lassen kann. Mich überzeugt Ultimate Destination primär dadurch, dass man sich hier nicht auf die technisch perfekte Raserei der Drums verlassen hat, sondern vor allem durch das Riffing für reichlich Abwechslung sorgt, ohne zu melodisch zu werden. Der ein oder andere Song ist für meinen Geschmack nicht ganz gelungen, „Road to Ruin“ etwa fand ich als Einstig nicht glücklich gewählt, „I have the Might“ blieb irgendwie gar nicht hängen, und „The Master“ war mir einfach zu langweilig. Diese Defizite machen Streams of Blood meist mit dem nächsten Track wieder wett, sodass hier insgesamt ein gutes Stück deutscher Black Metal vorliegt. Auf meiner „Live sehen!“-Liste sind sie inzwischen auch ziemlich weit vorne mit dabei!

Anspieltipp: „Von der Realität in das ewige Licht“

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Streams of BloodUltimate Destination
Folter Records, 2013
11,00 €
Homepage: http://www.streamsofblood.com/
Reinhören: http://www.streamsofblood.com/videos.htm
Kaufen: http://www.folter666shop.de/

Tracklist:
01. Intro
02. Road to Ruin
03. Temple of Blood
04. I have the Might
05. Bringer of Light
06. Inner Tyrant
07. Beast Reflect
08. The Master
09. Von der Realität in das ewige Licht
10. New World Order 2012

Spielzeit: 44 Min.

Demnächst live zu sehen sind Streams of Blood auf dem Under the Black Sun-Festival in Berlin am 05.07.2013.

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