Rezension: L. Gustafsson – die hure

Frauen, Feminismus und Mythologie

 

gustafsson_ldie_hureAphrodite, die Göttin der Schönheit und Liebe, verheiratet mit Hephaistos und abwechselnd mit Ares und Adonis verbandelt, begibt sich nach einem Kampf zwischen den beiden Liebhabern auf die Suche nach Adonis Richtung Hades bzw. Hölle. Am Flughafen wird auch bald der geeignete Flug nach HEL angezeigt, den sie besteigt und damit einen neuen Lebensabschnitt beginnt.
Milla lebt mehr schlecht als recht in Helsinki, sie braucht dringend einen Job und wird Nutte. Irgendwie eine logische Konsequenz, es ist Arbeit, die Geld einbringt und mit der sie sich ihren Lebensunterhalt erleichtert und verbessert.
Kalla verdient sich als Kellnerin ihr Geld. Sie muss sich fiese Anmachen im Restaurant gefallen lassen, sie wird von einem Gast vergewaltigt, rächt sich aber, indem sie ihrem Peiniger die Augen aussticht. Nachdem sie ihren Job verliert, wird Kalla ebenfalls Hure – allerdings mit sehr viel Widerwillen, aber das soll nicht ihr letzter Job sein.
Die verschiedenen Frauen unterstützen sich, ihre unterschiedlichen Lebensphilosophien und Wege führen sie zueinander und wieder auseinander. Letztendlich treffen sich Aphrodite und Milla, um auf die Suche nach Kallas Mörder zu gehen. Gewürzt und angereichert wird dies alles noch mit so bekannten Namen wie Ares (zum Beispiel im Panzer), genauso wie Phädra, Isis, Persephone, Athene (im Gefängnis) und den Erinnyen.

Welch ein überraschendes Buchcover, welch überschäumende Phantasie! Die Autorin Laura Gustafsson nimmt den Leser mit auf einen (un)wirklichen Weg zwischen Mythologie und heutigem irdischen Dasein. Sie erzählt mal witzig, mal völlig überdreht und grotesk, dann wieder rational und durchdacht zum Beispiel über feministische Themen, über die Streitkultur zwischen Frauen, über das Verbot der öffentlichen Prostitution in Finnland oder philosophiert auch über den Tod. Und dann ist da unter anderem die Erzählung der Verwicklungen zwischen Aphrodite, Ares, Nemesis, Persephone und Hades, herrlich amüsant, egal ob geschichtlich richtig bzw. fast richtig.
Die einzelnen Kapitel sind mit Ausschnitten aus mehr oder weniger bekannten Liedern („I wann be loved by you, just you, nobody else but you“ – Seite 155) überschrieben und werden unterbrochen von Erzählungen zum Beispiel zur Entstehung der Klitoris (Seite 57) oder auch über Maria, deren Sohn hingerichtet wurde (Seite 189).

Ja, ich muss zugeben, ich habe mich beim Lesen amüsiert, den Kopf geschüttelt und über so manchen Satz nachdenken müssen. Ist es lesenswert? Wenn man auf derartigen schrägen Humor steht, ja, definitiv – wenn nicht, dann ist es allemal ein Versuch wert!

Laura Gustafsson, geboren 1983, ist Autorin und Drehbuchschreiberin und studiert Dramaturgie an der Theaterakademie in Helsinki. Daneben hat sie einen Abschluss in Literaturwissenschaft. Außer ihrem Debütroman Die Hure hat sie ein Hörspiel, zwei Theaterstücke und mehrere Kurzgeschichten verfasst. (Quelle: Heyne Hardcore).
In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf das Video mit der Schriftstellerin bei YouTube verweisen.

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Laura Gustafsson: die hure
Heyne Hardcore, Mai 2013
320 Seiten
€ 14,99 Paperback / € 11,99 ebook (epub)
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