Harte Klänge aus der Heimat

 

Der Abend des 3. Augusts stand im Club des Backstages ganz im Zeichen der harten Klänge. Death und Black Metal aus Bayern erwarteten die Besucher, die sich trotz des heißen Wetters im kleinen Club, der zu einem Backofen zu werden drohte, eingefunden hatten. Zwar haben Schwarzkristall und Dagnir en Gwann abgesagt, aber dennoch kamen die Freunde der etwas heftigeren Musik voll auf ihre Kosten. (Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Konzert kostenlos war!)

Vor Konzertbeginn wurden die wenigen Leute, die sich bereits im Club versammelt hatten, mit den Klängen von Panteras Album Cowboys from Hell schon stilecht in Stimmung gebracht, auch wenn die Gangart der Musik schnell etwas ruppiger wurde, als die erste Band die Bühne betrat.

„Guten Abend München, wir sind Hailstone, und wir spielen Death Metal!“ Mit diesen Worten betraten die fünf Jungs von Hailstone die Bühne und machten klar, was die bereits jetzt zahlreich erschienenen Metalheads in den nächsten 45 Minuten erwartete. Der Sound dieser 2009 in München gegründeten Band war zwar nicht besonders orginell, aber dafür sehr solide, und die hier und da herauszuhörenden Black-Metal-Einflüsse ergaben dann doch einen stimmigen, eigenen Klang. Frontman Daniel zeigte von Beginn an_dsc2741-jpg eine beeindruckende Bühnenpräsenz und war stets bemüht, das Publikum zu animieren, was ihm auch gut gelang. Insgesamt zeigte sich das Publikum zwar etwas verhalten, aber die Reaktionen auf den Auftritt waren durchweg positiv, und nicht nur auf, sondern auch direkt vor der Bühne konnte man schon ab dem ersten Song einige Mähnen rotieren sehen. Mit dem Song „After the Dream“ stellte Hailstone einen Titel des kommenden Albums vor, und mit „Death Hammer“ schlossen sie ihr Programm wahrlich mit einem Death-Metal-Hammer ab!
Wer auf soliden Detah Metal steht, der sollte Hailstone definitiv im Auge behalten, denn die Jungs wissen, was sie tun.

Nun ging es nach einer kurzen Umbaupause mit Waldgeflüster, einem Musikprojekt aus Rosenheim weiter. Waldgeflüster war ursprünglich ein Soloprojekt von Jan „Winterherz“ van Berlekom (mit dem man sich vor Konzertbeginn bereits am Merchandise Stand unterhalten konnte), inzwischen gehört aber auch dessen Bruder P. dazu. Live lassen sich die beiden selbstverständlich noch von drei weiteren Musikern unterstützen, da es selbst einem Talent wie Winterherz schwer fallen sollte, gleichzeitig Bass, zwei Gitarren und Schlagzeug zu spielen und dabei zu singen.
Scheinbar gab es wohl einige Probleme mit dem Monitorsystem, dies zog den Soundcheck ein wenig in die Länge, was allerdings niemand zu stören schien, da Waldgeflüster bereits beim Soundcheck von einem erheiterten Publikum gefeiert wurde. Insgesamt schien die Tontechnik einige Probleme zu haben, da während der Show mehrmals ein unangenehmes Hintergrundrauschen aus dem Bassverstärker zu hören war, wovon sich die Musiker allerdings nicht aus dem Konzept bringen ließen.
Wirkte Winterherz beim Soundcheck noch etwas gelangweilt, so schlug seine Stimmung sofort um, als Waldgeflüsters Programm begann. Zunächst mit den Klängen von „Prolog“, einem Intro bestehend aus einer akustischen Gitarre und Klängen aus freier Wildbahn. Von diesem ruhigen Anfang sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen, denn schlagartig ging der Klang in wüsten, aber wohlklingenden Black Metal mit immer wieder eingestreuten akustischen Parts über. Abgerundet wurde das Ganze vom mal aggresivem Gefauche, mal wüstem Gebrüll und mal deutlichem, klaren Gesang des charismatischen Frontmanns. Der Song „Kapitel II: Steinwüste“ ließ nicht nur die eingefleischten Fans schier in Ekstase verfallen, und mit „Wotans Sang“ wurde dies noch einmal gesteigert! Auch Waldgeflüster ließ es sich nicht nehmen, einen Song ihres kommenden Albums vorzustellen, und mit „Kapitel III: Fichtenhain“ zog ein sichtlich begeisterter Winterherz zum Abschluss auch die letzten Besucher des Clubs in seinen Bann.
Trotz der technischen Probleme gelang es Waldgeflüster, das zahlreich erschienene Publikum in eine düstere Welt voll Natur und Mythologie zu entführen, ein sehr guter Auftritt!

Mit der 3. und damit letzten Band des Abends wurde es dann wieder ein wenig klassischer. Der Weg einer Freiheit orientieren sich vor allem an schwedischen Black-Metal-Bands wie Naglfar, weniger Schnickschnack und mehr Härte!
Allgemein schien die Würzburger Formation um Sänger und Gitarist Nikita Kamprad sich an diesem Abend nicht mit Kleinigkeiten aufzuhalten, sondern eher durch technisch einwandfreien Black Metal überzeugen zu wollen. Dies zeigte sich zum einen daran, dass sie die Aufmerksamkeit der Zuschauer nicht mit jeglicher Form von Bühnendekoration ablenken wollten (nicht mal ein Banner mit Bandlogo war zu sehen), zum anderen. dass die Band auf die Bühne kam und den inzwischen bis zum Anschlag gefüllten Club ohne irgendwelche Ansagen oder ein Intro mit dem ersten Song begeisterte.
Und dieses Tempo wurde das ganze Konzert über durchgehalten, oft folgte_dsc3075-jpg Song auf Song, nur selten gab es eine kurze Unterbrechung des brutalen Sounds, damit Kamprad sich beim Publikum bedanken konnte, um sofort wieder loszulegen. Diese Konsequenz belohnten die Zuschauer mit wilder Begeisterung, auch wenn die Stimmung nicht ganz an die Euphorie herankam, die bei Waldgeflüster herschte.
Die Begeisterung des Publikums schienen die Musiker zu teilen, denn sie hatten sichtlich Spaß an diesem Auftritt, was sich nicht zuletzt daran zeigte, dass sie, nachdem sie einen Song bereits als den Letzten des Abends angekündigt hatten, noch einen weiteren spielten. Auch als das Publikum danach eine Zugabe forderte, mussten die Fans nur wenige Sekunden warten, bis die Band ihrem Wunsch entsprechend noch einmal auf der Bühne stand.
In der Zeitschrift Metal Hammer war einmal zu lesen, dass Der Weg einer Freihat das Potenzial hat, zu deutschen Szenegrößen wie Endstille und Negator aufzuschließen. Dass diese Aussage der Wahrheit entsprach, bewies die Band an diesem Abend mit einem atemberaubenden und sehr beeindruckendem Auftritt, man darf sich auf Kommendes durchaus freuen!

Fazit: Ein gelungener Konzertabend dreier noch recht junger Bands mit sehr viel Potenzial, das Publikum so wie ich selbst waren durchgehend begeistert und in einem eng gewebten Netz aus harten Riffs und melodischem Gebrüll gefangen. Die gelegentlich auftretenden technischen Probleme taten der aufgeheizten Stimmung zu keiner Zeit einen Abbruch, und die Bands schienen im gleichen Maße vom Publikum begeistert wie das Publikum von den Musikern, so soll es sein!

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