Familie kann man sich nicht aussuchen

 

Conrad (Florian David Fitz) ist ein smarter, erfolgreicher Jungunternehmer, verheiratet mit der attraktiven Tamara (Thekla Reuter), Vater des 13jährigen Jonas (Marius Haas) und plant gerade den Bau eines luxuriösen Eigenheims für seine kleine Familie – alles wunderbar, sollte man meinen, wäre da nicht das angespannte Verhältnis zu seinen Eltern, zu denen er den Kontakt auf ein Minimum zu beschränken versucht. Schuld daran ist sein Vater Carl (Henry Hübchen), ein inzwischen pensionierter hoher Gewerkschaftsfunktionär, den Conrad Zeit seines Lebens eigentlich nur als zynischen und selbstgerechten Familientyrann kennengelernt hat.

Conrad ist mit Jonas schon auf dem Weg in den Urlaub, wo Tamara im exquisiten Feriendomizil auf sie wartet, als er von seiner Mutter Helene (Leslie Malton) mit der Nachricht überrumpelt wird, dass sie sich nach über 40 Ehejahren von Carl getrennt hat und aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen ist. Von ihr um einen kleinen Botengang gebeten, findet er seinen grummeligen und selbstmitleidigen Vater ziemlich heruntergekommen in einem Chaos aus gammligen Pizzaschachteln und leeren Bierdosen vor. Ein Grund mehr, möglichst schnell die Flucht Richtung Urlaub zu ergreifen, doch dummerweise verletzt sich Carl beim Sturz in den leeren Swimmingpool, und Conrad sieht sich bei aller Aversion gezwungen, die Reise zu verschieben und mit Jonas bei seinem Vater einzuziehen.

Aus diesem Aufeinanderprallen von drei Generationen und Conrads anschließendem Versuch, Carl und Helene wieder zusammenzubringen, ergeben sich zunächst amüsante Konstellationen, doch im Laufe des Films kommt mehr und mehr eine melancholische und nachdenkliche Komponente hinzu. Vermeintlich sichere Einschätzungen müssen über Bord geworfen werden, und auch die Selbstgewissheit hinsichtlich der eigenen Lebensentwürfe kommt ins Wanken. Und so ist der Titel auch die Botschaft des Films: Selbst wenn man meint, dass sich äußere Umstände nicht beeinflussen lassen und Menschen sich nicht mehr weiterentwickeln können – es geht immer noch was.

Regisseur Holger Haase gelingt mit seinem Kinodebüt eine intelligente Komödie, die nie ins Seichte abdriftet, am Ende aber mit einer vielleicht allzu gefühligen Auflösung aufwartet. Der Film lebt insbesondere auch vom Dialogwitz, und vor allem Henry Hübchen überzeugt als mürrischer Griesgram auf ganzer Linie. Insgesamt empfehlenswerte Kinokost aus deutschen Landen.

 

 

Originaltitel: Da geht noch was!
Produktionsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 100 Minuten
Drehbuch: Jens-Frederik Otto, Florian David Fitz
Regie: Holger Haase

Darsteller:
Florian David Fitz: Conrad Schuster
Henry Hübchen: Carl Schuster
Leslie Malton: Helene Schuster
Marius V. Haas: Jonas Schuster
Thekla Reuten: Tamara Schuster
u.v.m.

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