Die Classic Rock Night, die gar keine war

Bereits zum fünften Mal hat das Concertbüro Franken zur Pyraser Classic Rock Night geladen. Auch dieses Jahr wieder im Pyraser Brauerei Gasthof, der mal ein etwas anderer Veranstaltungsort war, als man es sonst so gewöhnt ist.
Als Erstes stach einem der große, zentrale Biergarten ins Auge, der auf allen vier Seiten von den Brauereigebäuden umgeben ist. Selbiger hat direkt eingeladen, sich zwischen den einzelnen Auftritten sich mit kühlem Nass und leckerem Essen zu versorgen. Apropos Essen, für ein Festival in der Größe war die Auswahl an Speisen direkt verschwenderisch. Und auf welchem Festival sonst bekommt man zum Beispiel einen Schweinsbraten mit Knödeln und Kraut auf echtem Porzellan mit richtigem Besteck? Ein weiterer Punkt, der dafür gesorgt haben dürfte, dass die Bierbänke quasi komplett belegt waren: Schatten. Den gab es nämlich nur im einseitig offenen Stadl, wo sich auch die Bühne befand, oder eben unter den Sonnenschirmen im Biergarten. Und jetzt der erste große Negativpunkt: die Bühne. Diese war zwar schön und auch angemessen groß, nur, wie meine Begleiter und ich fanden, falsch aufgebaut. Man hätte sie an der Wand, gegenüber der offenen Seite errichten können, sodass alle Besucher, auch die, die noch im Biergarten saßen, etwas hätten sehen können. Leider war sie aber an der Stirnseite aufgebaut, und so konnte man live nur etwas sehen, wenn man sich in den Stadl begab. Das große Problem: In den Stadl passen lange nicht alle Besucher rein, und so ist der Rest gezwungen, sich das Geschehen auf der Bühen via Bildschirm anzusehen. Hat auch nicht allen gefallen, wie man ab und an vor dem Stadl hören konnte.

So, jetzt aber zu den Bands:

Opener waren Like A Cat, eine noch recht junge Combo, die es anscheinend bisher mit dem größten Publikum ihrer Laufbahn zu tun hatte. Die Musik, eingängiger klassischer Hard-Blues-Rock, klappte schon ganz gut, die drei Jungens haben ihre Instrumente im Griff und Sängerin Julia ihre Stimme. Ab und an hörte man noch ein wenig Nervosität heraus, kein Wunder, ist es doch, laut eigener Aussage, „die größte Bühne, auf der wir jemals gespielt haben“. Die Ansagen kamen auch ein wenig holprig, aber das wird schon, ich bin überzeugt, da ist Potenzial drin.

Gleich an zweiter Stelle – und für mich ein bisschen zu früh im Line-Up – standen Kissin Dynamite. Die schwäbischen Glam-Hair-Rocker zeigten auch in Pyras wieder, die 80er sind nicht tot! Auftoupierte wallende Mähnen, enge Leder- und Spandexhosen sowie passende Shirts oder gleich oben ohne tobten die noch jungen Rampensäue über die Bühne und bringen den Stadl zum Kochen. Wer hier jetzt still sitzt, der ist entweder auf einer Überdosis Morphium oder klinisch tot. Kaum zu glauben, dass die fünf Schwaben um die Gebrüder Braun im Schnitt gerade mal 21 Jahre alt sind, so perfekt passt hier die Show. Wer sie noch nie gesehen hat, unbedingt bei nächster Gelegenheit hingehen!

Nach der spaßigen Show von Kissin Dynamite wurde es etwas härter, und das Powermetaltrio Rage um Frontmann und Bassisten Peter „Peavy“ Wagner betrat die Bühne. Anfangs noch mit kleinen Problemen im Sound geplagt, wurde es spätestens bei „Straight to hell“ amtlich im Stadl, und das Publikum ging auch hier kräftig mit. Wieder war der Stadl zu klein.

Die Schweizer Formation Krokus, gegründet immerhin schon 1975, packte auf die schon gute Stimmung mit ihrem Hardrock noch eine Schippe drauf und dürfte wohl als einzige heutige Kapelle dem Begriff des Classic Rock am nächsten kommen.

Gut gelaunt, Frontmann Marc Storace hatte immer wieder witzige Ansagen, und mit viel Freude spielten sie im mittlerweile auch ätemperaturmäßig aufgeheizten Stadl. War es bei Rage doch eher noch das jüngere Publikum, waren hier jetzt die etwas Älteren vorrangig im Stadl anzutreffen. Übrigens etwas, was mir an dem Tag positiv aufgefallen ist, der sehr hohe Altersunterschied des Publikums. Von ganz jung bis doch gut gereift war alles zahlreich vorhanden.

Zeit für die Headlinerin, die Queen des Metal, Doro Pesch. Über die Musik braucht man nicht viel zu schreiben, die Songs kennt jeder, man kann auch fast alles aus dem Stegreif mitsingen, die Band beherrscht ihr Handwerk perfekt.

Jetzt sollte man meinen, ja gut, hat man in 30 Jahren Bandgeschichte schon oft gesehen, nix Besonderes. Aber nicht so bei Frau Pesch. Bei ihr spürt man vom ersten Moment an, die Frau lebt einzig für die Bühne und ihre Fans. Klar, jeder Musiker geht auf das Publikum zu und sagt, es wäre das Wichtigste für ihn, aber bei ihr ist das irgendwie anders, glaubhafter. Und so ist es auch kein Wunder, dass im Biergarten jetzt viel, vor dem Stadl wenig und im Stadl überhaupt kein Platz mehr ist. Spätestens beim Klassiker „Für immer“ dürfte es auch beim allerletzten die Haare zur Gänsehaut aufgestellt und vielleicht auch das Wasser in die Augen getrieben haben. Immer wieder Hammer, wenn jeder, wirklich jeder mitsingt und Frau Pesch sichtlich gerührt auf der Bühne steht, kurz vor den Tränen. Bitte, Doro, bleib genau so!

Fazit:
Die Pyraser Classic Rock Night war ein kleines, aber sehr feines Halbtagesfestival, bei dem einiges geboten war und kaum Kritik aufkam. Lediglich die Aufstellung der Bühne fanden wir etwas unpassend. Wirklich ärgerlich waren zudem die langen Umbaupausen von jeweils einer Stunde. Das ist definitiv zu lange!
Nächstes Jahr bitte den Zeitplan straffen, dann wird die Classic Rock Night eine fast perfekte Veranstaltung!

So, und warum war die Classic Rock Night denn jetzt keine Classic Rock Night?
Für mich zählen unter den Begriff Classic Rock Bands wie Journey, Toto oder Meat Loaf. Das hier war ein waschechtes Hardrock- und Metalfestival.
Veranstalter Peter Harashim hat auch angekündigt, dass die Pyraser Classic Rock Night wohl 2014 unter einem anderen, passenderen Namen stattfinden wird.
Die Fans des Classic Rock werden dann wohl eher beim Lieder am See-Festival des gleichen Veranstalters glücklich.

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Mehr Bilder der Rock Night gibt es beim Metalspotter.

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