Konzert: Festival Mediaval VI, 6.-8. September 2013, Selb – Sonntag

Konzert: Festival Mediaval VI, 6.-8. September 2013, Selb – Sonntag

Der letzte Tag des Mediaval begann mit recht traditionellen Klängen: Obscurus Orbis aus Lettland spielten gediegene Spielmannsweisen und erinnerten im Großen und Ganzen an die musikalischen Anfänge von Corvus Corax. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich innovativ.Weiter im Kontext des Nordic Special ging es dann mit Strömkarlen. Das Trio, benannt nach einem nordischen Wassergeist, spielte sehr schönen, melodischen Folk mit Einflüssen aus Pop und Jazz. Sie bezauberten vor allem mit der stimmlichen Vielfalt der Musiker, die sich bei den Soloparts abwechselten und auch mit Chorpassagen glänzen konnten. Perfekt für Spätsommernachmittage!

mediaval13-1501Der Exot des Wochenendes zwischen all den Mittelalter-, Folk- und Metalbands waren eindeutig Berlinski Beat. Berlinski Beat ist das, was passiert, wenn man eine Gruppe Spielleute aus dem Hochmittelalter in der Neuzeit aussetzt und dann mal kuckt, was sie draus machen. Musik machen sie, nur eben mit diversen Blechblasinstrumenten, Akkordion, Percussion und elektrischen Beats. Die Rhythmen leihen sie sich aus Rock und Ska, den Beat aus dem Balkan und die Melodien aus mitteleuropäischen bis slawischen Traditionen. Dazu gibt es die Schnauze aus dem heimischen Berlin sowie eine gute Portion Lokalstolz, und fertig ist die perfekte Gute-Laune-Band. Wie im Mittelalter dreht sich alles um Liebe, Tanz, Rausch und allgemeine Lebensfreude. Davon ließ sich das Publikum auf jeden Fall gerne anstecken, so dass man fast glauben konnte, die Musiker hätten an ihrem „kleinen“ Nebenprojekt mehr Spaß als an ihrem eigentlichen „Hauptberuf“, der sich Corvus Corax nennt.

Weniger Power dagegen brachten die Russen von Wolfmare mit. Sie präsentierten zwar durchaus soliden Folk-Metal, die Durchmischung mit unterschiedlichsten Stilen schien aber keinen roten Faden zu haben und ließ ihren Sound leicht unausgegoren wirken.

Einenmediaval13-1622 Vorgeschmack auf das Thema 2014 – und eine klare stilistische Linie, die stolz den Irish Folk zu erkennen gab – erlaubte einem dann die Band Cara. Mit ihrer Mischung aus traditionellen schottischen und irischen Liedern, Eigenkompositionen, schnellen Reels und gefühlvollen Balladen dürfte die deutsch-irisch-schottische Band die beste Entdeckung dieses Jahr gewesen sein, sofern man sie nicht bereits aus der Folkszene gekannt hat. In dieser sind die Musiker schon seit acht Jahren erfolgreich unterwegs, woran sich auch zeigt, welche großen Vorteile der Stilmix hat, der auf Selb präsentiert wird: Die Zuhörer können ihren musikalischen Horizont erweitern, und die Musiker dürfen sich an den Eigenheiten eines mittelalterlich angehauchten Publikums erfreuen, in dem die Menge eben auch mal durch spontane Reihentänze aufgemischt wird.

Was man in dem ganzen Trubel beinahe nicht mitgekriegt hat: Es gab noch einen zweiten „Goldenen Zwerg“ an eine Nachwuchsband zu verleihen, diesmal in der Kategorie „Rock“. Diesen durften die glücklichen Sieger von Impius Mundi nach Hause tragen, die sich gegen ihre Kollegen von The Privateer und Sacred Silence durchsetzen konnten.

mediaval13-1740Danach haben Valravn wortwörtlich die Boxen zum Beben gebracht. Mit mächtigem Bass, einem klassischen Streichertrio und elektronischer Unterstützung lockten die Dänen ein immenses Publikum an und gaben ein eher bittersüßes Abschiedskonzert in reduzierter Besetzung. Die Fusion zwischen Clubsound, Experimentierfreudigkeit und nordisch-mystischem Folk hat an dem Abend wieder ihre ganz eigene Magie entfaltet. Dass die Band nach diesem Sommer getrennte Wege geht, ist ein Verlust für die Szene. Aber da sich bereits neue Projekte für die einzelnen Musiker abzeichnen, darf man auch gespannt sein, wohin ihre Reise gehen wird, oder, um die Metapher des Schlagzeugers Juan aufzugreifen, welcher neuer Schmetterling aus der alten Hülle von Valravn schlüpfen wird.

Als Abschluss des Abends, des Festivals und des Sommers durfte man dann dem Headliner Corvus Corax beiwohnen. Das Urgestein der Mittelaltermusik wurde dieses Mal wuchtig verstärkt durch die Damen und Herren Wadokyo. Wenn noch 50 Meter vor der Bühne der Boden bebt, kann man beruhigt sein: man hat genug Trommeln mitgebracht. An diesem Abend genau zehn Stück: Die drei üblichen Drummer wurden von den sieben japanischen Taiko-Trommlern von Wadokyo unterstützt, die sich alle Mühe gaben, den bekannten Liedern eine neue Dimension zu geben. Zusammen mit den altbewährten Sackpfeifen, Drehleiern und Flöten war das auch eine eindrucksvolle, wenn auch musikalisch nicht wirklich abwechslungsreiche Sache.

Und damit ging das Mediaval auch schon wieder zu Ende, nach einem viel zu kurzen Sonntag. Aber keine Sorge: Für 2014 sind bereits fleißig Pläne geschmiedet. Unter anderem wurde mit der Stadt Selb ein neuer Fünf-Jahres-Vertrag geschlossen, was den Organisatoren erlaubt, längerfristige Konzepte zu entwerfen und jedem Festival wieder einen eigenen musikalischen Schwerpunkt zu widmen. Für das Festival Mediaval VII, das unter dem Titel „Irland/Schottland“ stehen wird, wurden auch bereits eine Reihe Künstler gebucht. Darunter finden sich Namen wie Subway to Sally und eine Band namens Legends of Dublin – früher auch bekannt als: The Dubliners.

Also, nächstes Jahr wieder der rituelle Gang nach Selb? Unbedingt!

Fazit vom Bärchen:
mediaval13-0653Auch aus Sicht der Fotografin ist das Festival Mediaval immer wieder ein schönes Erlebnis. Man kennt sich im Fotograben, normalerweise wird Rücksicht genommen und es gibt eine Besonderheit, die ich bei keinem anderen Konzert bisher erlebt habe: Man darf so lange im Graben bleiben wie man möchte, wenn man sich duckt und auf die Sicht des Publikums achtet, wodurch man auch spätere Gastauftritte festhalten kann.
Und auch dieses Jahr hat das Festival Mediaval wieder mit der Mischung aus Mittelaltermarkt und Festival überzeugt, mich persönlich hat es sehr begeistert, dass endlich auch Wikinger-Lagerleben gezeigt wurde.
Ich freue mich jetzt schon sehr auf das nächste Jahr, um alle wiederzusehen, die so weit verstreut leben, und auch das Thema „Irish Special“ klingt sehr interessant.

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