Die dunkle Seite Spaniens im Doppelpack

Die Black Metal-Band Xerión wurde im Jahre 2001 als Soloprojekt von Nocturnal in Spanien gegründet. Nach mehreren Demos folgten Split-CDs mit Omendark, Nakkiga und Decayed. 2006 nahm Nocturnal mit Hilfe von Keyboarder Daga, Schlagzeuger Aboriorth und Gitarrist Iron das erste Album Nocturnal Mistantropia auf, welches 2007 vom deutschen Label Schwarzdorn Records veröffentlicht wurde. Nach einigen Liveshows in Spanien, Portugal und Deutschland folgte dann 2010 das zweite Album Cantares das loitas esquecidas, wobei allerdings nur noch Daga mitwirkte. Das Album enthält u.a. eine Coverversion eines Taunusheim-Songs, sowie einen Videoclip des Songs „Morte na iauga“.
Hier möchte ich euch nun beide Alben vorstellen.

Nocturnal misantropia

Der erste Song „Akelarre“ beginnt mit einem technisch nicht wirklich sauberen Flötenintro und wird nach wenigen Sekunden übergangslos zu einem schnellen Black Metal-Bolzen mit beißenden Gitarren und sehr aggressivem Gesang, bevor es zum Ende hin in einem langsamen Gitarrenoutro endet.
Darauf folgt der nicht minder schnelle, aber sehr viel düsterere Song „Nocturnal misantropia“, der dem Album seinen Namen gibt. Dieser Song geht direkt ins Ohr, auch wegen Nocturnals drückendem Gekeife. Nach einem kurzen ruhigen, aber nochmals düstererem Zwischenspiel der Gitarre gibt X erión sofort wieder Vollgas und behält das Tempo bis zum Schluss bei. „Nocturnal misantropia“ ist zwar der längste Song der Scheibe, doch dank seiner Klasse kommt er dem Hörer dennoch viel zu kurz vor. Eindeutig der beste Song des Albums!
Danach gönnt Xerión den Ohren eine kleine Verschnaufpause mit „Ate a morte…“, welches nur aus Klängen einer Kirchenglocke besteht, aber gut zur Atmosphäre des Albums passt.
Doch direkt im Anschluss heißt es wieder Vollgas, denn „Na traza esotérica do ar invisible“ ist ein einziges Wettspielen zwischen Gitarre und Schlagzeug, das am Ende durch eine epische Gitarrenmelodie abgerundet wird.
Mit einem dumpfen Dröhnen wird „Aqueles que nos deixan atrás“ eingeleitet, das ein sehr schwerer, langsamer Song ist, der eine finstere Stimmung vermittelt. Hier steht der Gesang eher im Hintergrund. Im Laufe des Songs nehmen Gitarre und Schlagzeug allerdings beständig an Fahrt auf.
„No pazo derruido da existencia“ ist ein Mid-Tempo Song, bei dem sich die Gitarre im Mittelteil zu einem beißenden Gekreisch aufschwingt und zum Ende hin in eher harten Riffs ausklingt.
Der letzte Song „No val do silencio“ beginnt mit einem Trötenintro, doch auch hier wird der Song wieder übergangslos nach einigen Sekunden zu einem fetten Black Metal-Hammer mit eingängiger Melodie und mehreren gut plazierten Tempowechseln.

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Trackliste:
1. Akelarre
2. Nocturnal misantropia
3. Ate a morte…
4. Na traza esotérica do ar invisible
5. Aqueles Que Nos deixan Atrás
6. No pazo derruido da existencia
7. No val do silencio

Cantares das loitas esquecidas

Mit „Badaladas funerais no esmorecer da lúa“ wird das Album durch ein stimmiges Intro eröffnet; zunächst sind Geräusche eines Gewitters zu hören, welche dann von gregorianischen Gesängen überdeckt werden; eine mystische und geheimnisvolle Stimmung überträgt sich schnell auf den Hörer.
Der zweite Track und erste eigentiche Song „O espertar do Xerión“ greift diese Stimmung gut durch eine sanfte Basslinie zum Auftakt auf, dazu stoßen dann cleane Gitarren und nach eingen Sekunden setzt ein sich langsam steigerndes Schlagzeug ein, welches durch einen bösartigen Schrei Nocturnals unterbrochen wird, woraufhin ein solides Black Metal Stück im Mid-Tempo folgt.
Gänzlich anders startet der dritte Titel „A alquímica dexeneración da ialma“, denn ohne Ansatz beginnt gleich ein vor allem von Blastbeats getragenes Mid-Tempo Stück in seiner vollen Härte. Im Mittelteil treten die Instrumente in den Hintergrund, wodurch eine finster geknurrte Textpassage ausdrucksstark inszeniert wird.
Mit „Onde a victoria agarda“ folgt ein deutlich gitarrenlastigeres Stück, bei dem im Hintergrund durchgehend eine Stimme eine Melodie erzeugt, immer wieder werden die Gitarren durch Breakdowns mit wüsten Blastbeats unterbrochen, bevor sie sich zum Ende des Stücks hin nochmal steigern. Das alles zusammen ergibt eine sehr eingängige, gelungene Melodie.
„Nas verdes fragas de Amh-Ghad-Ari“ ist das erste Stück des Albums, das ein leicht gesteigertes Tempo vorlegt, mit seiner eingängigen Melodie hat es etwas Hymnenhaftes an sich. Immer wieder folgen ruhige Stellen auf schnellere Passagen, dazu wird der Song durch einige folkloristische Elemente abgerundet, bevor er sich zum Ende hin in Flöten und Pianoklängen verliert.
Der Song, der dem Album seinen Namen gibt, „Cantares das loitas esquecidas“, ist wieder ein langsameres Stück, das mit einem ruhigen Dudelsackintro beginnt, das sich langsam in eine schwungvolle Melodie auswächst. Auf das Intro folgt sofort ein Breakdown und ein Chor setzt ein. Der ganze Song ist eher langsam, wirkt allerdings sehr aggressiv und gewinnt zum Ende hin ein wenig an Tempo.
Und gleich folgt ein weiteres langsameres Stück mit „Morte na iauga“. Bei diesem Song steht der Gesang im Vordergrund, der sehr bösartig daherkommt. Die Basis des Songs bildet ein melodischer Basslauf. Zu diesem Song ist auch ein Video auf dem Album, das aus der Ich-Perspektive eine durch einen Wald irrende Person zeigt; der triste Wald und die Zerreffekte am Bildrand passen gut zur Stimmung des Songs, leider hat das Video allerdings keinerlei Höhepunkt und die Bilder werden etwas zu oft wiederholt, wodurch es recht eintönig und schnell langweilig wird.
„Loitas na néboa“ ist ein Cover des Songs „Nebelkämpfe“ von Taunusheim. Es beginnt mit einer Flötenmelodie, die sich durch den gesamten Song zieht, stellenweise unterstützt ein Chor Nocturnals aggressiven Gesang. Auch dieses Stück ist eher langsam.
Der letzte Titel des Albums ist gleichzeitig auch der schnellste. „Pvtrefacta anima nostra“ beginnt mit einer Voice-Melodie, die durch einen Schrei und beißende Gitarren unterbrochen wird, woraufhin ein solides Instrumental folgt, das abrupt in einem tiefen Seufzer endet.

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Tracklist:
1. Badaladas funerais no esmorecer da lúa
2. O espertar do Xerión
3. A alquímica dexeneración da ialma
4. Onde a victoria agarda
5. Nas verdes fragas de Amh-Ghad-Ari
6. Cantares das loitas esquecidas
7. Morte na iauga
8. Loitas na néboa (Taunusheimcover)
9. Pvtrefacta anima nostra
Bonus:
Videoclip Morte na iauga

Cantares das loitas esquecidas ist eine Scheibe, die nicht gerade auf Geschwindigkeit setzt, wodurch sie nichts für eingefleischte Headbanger ist, Freunde des düsteren, stimmungsvollen Black Metal können allerdings durchaus einen Blick auf die Platte werfen. Jeder Song für sich genommen ist ein gelungenes Stück Musik, allerdings finde ich persönlich das Album als Ganzes ein wenig eintönig! Selbes Problem hat auch das Debütalbum Nocturnal Misantropia, allerdings sind die Songs hier schneller und haben jeder für sich genommen einen höheren Wiedererkennungswert, obwohl weniger mit folkloristischen Instrumenten experimentiert wurde. Gerade die Drums auf Nocturnal misantropia klingen wesentlich fetter und ausgereifter. Vielleicht merkt man hier einfach, dass mehrere Musiker mitgewirkt haben und vor allem, dass ein gelernter Drummer beteiligt und das Schlagzeug nicht nur programmiert war.
Alles in allem ist Xerión jedoch eine solide Black Metal-Band, sie zählen nicht gerade zur Spitze des Eisbergs, aber für leidenschaftliche Black Metal-Fans sind sie durchaus einen Blick wert.

(1931)