Kein Schicksal und der Boden ist auch noch kaputt

Man kennt doch dieses Gefühl, wenn man sich nicht entscheiden kann: Hat man eher Lust auf Thrash Metal oder doch lieber Hardcore? Ach nein, doch eher was Elektronisches. Wichtige Fragen, die nach Antworten verlangen, aber bei Lust auf diese Genres kann vielleicht Abhilfe geschaffen werden: Defated mit ihrer Demo-EP On Broken Grounds.

 

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Die Band Defated ist eine junge, Münchner Formation, noch ohne Langspieler oder dergleichen, also sind die Erwartungen an eine EP entsprechend: der Sound eher mau, vielleicht mit der Playlist etwas übernommen und eventuell nicht wirklich so super eingespielt. Nun, um es kurz zu sagen, hat On Broken Grounds sämtliche diese Erwartungen enttäuscht. Tatsächlich sind die vier Tracks sauber eingespielt, mit nur marginalen Schwächen, wie einem kleinen schiefen Ton mal, der aber auch genauso Absicht sein könnte. Genauso ist das Werk technisch auf einem unerwartet hohen Niveau. Die Aufnahmequalität glänzt mit rundum sattem Sound, sogar der Bass kommt sehr schön rüber. Und auch an den Instrumenten sind, wie gesagt, keine wirklich erwähnenswerten Schwächen zu bemerken.

Funktionierende Mischung

Mal Klartext gesprochen kann man durchaus behaupten, dass eine Mischung aus Thrash, Core und Elektro nicht zwangsweise einfach zu realisieren ist. Immerhin muss man drei Stile mit ihren Eigenheiten zusammen zu einer glatt gerührten Masse bringen, ohne dass es in eine Richtung kippt und der Hörer eine der versprochenen Zutaten vermisst. Und auch zu diesem Thema kann ich nur mit Erstaunen sagen, dass Defated das sehr gut hin bekommen. Zumindest bei den Liedern, die sie für die EP auswählten.
Der erste Track, „Rift City“, ist zwar nur ein Intro, aber man bekommt schon einen gewissen Vorgeschmack auf den Stil der Band. Zunächst kommt ein sehr atmosphärischer Part, der scheinbar eine Ankunft auf dem Bahnhof von Rift City darstellen soll. Leise Klaviermusik baut sich auf und einige Hintergrundgeräusche, auch solche, die man bewusst kaum merkt, erzeugen eine faszinierende Atmosphäre. Zudem wird gleich ein Thema angespielt, das im titelgebenden Lied, „On Broken Grounds“, wiederkehrt und so einen schönen Bogen schlägt. Der Sound ist dominiert von harten Gitarrenriffs und drückendem Schlagzeug, sowie dem markigen Gegrowle des Sängers. Die Elektrosounds sind überwiegend nicht dominant, sondern fließen immer wieder durch die Gitarren durch und harmonisieren ziemlich perfekt. Hier wurde nicht versucht auf Biegen und Brechen ein Alleinstellungsmerkmal mit intensivem Synthieinsatz zu schaffen. Wenn es nicht gepasst hat wurde es weggelassen, und ansonsten ist es weder zu laut, noch zu aggressiv. Große Anerkennung musste ich zollen, als ich bei mehrmaligem Anhören bemerkte, wie gut die Effekte auf den restlichen Sound abgestimmt sind. Jeder, der es schon einmal versucht hat, weiß wie fummelig das Einstellen von Synthi-Effekten in Programmen wie FL Studio ist, sofern man alles selbst macht.
Zu meiner sehr großen Freude kommen auch weder die Elemente aus dem Thrash Metal, wie in „Ninetynine“, oder aus dem Hardcore („Said and Done“) zu kurz.

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Die exakt am 28.01.2012 ins Licht der Welt getretene Band Defated besteht aus fünf Jungs, mit Namen Sven (Mikro), Vince (Gitarre), Bombi (Schlagzeug), Frank (Bass) und Martin (Gitarre). Bemerkenswert: Bombi steuert als Schlagzeuger die klaren Gesangsparts bei, die Sven zum Beispiel bei Refrains unterstützen.
Der Stil hat sich aus dem Thrash-lastigen Sound des Vorgängerprojektes Flaming Archangels im Laufe des Jahres 2012 entwickelt, ehe man durch Core- und Elektroeinflüsse auf dem Stand war, den nun die EP On Broken Grounds repräsentiert. Dabei schreiben sich die „entschicksalten“ (deutsche Übersetzung für Defated, laut Band) Mannen die Kritik an gesellschaftlichen und politischen Themen auf die Fahne beziehungsweise in die Texte; im Fokus: die Situation der Jugend.

Das Werk On Broken Grounds wurde in den tsr Studios aufgenommen und von MSM gemastert. Vertrieben wird sie von Defated selbst, aber leider nur auf Konzerten.

Fazit: Obwohl es nur eine EP ist, die erste Aufnahme einer jungen Band, zeugt das Machwerk doch von hohem technischen Können und einer gewissen Detailverliebtheit. Man hat sich ordentlich ins Zeug gelegt, die vier Tracks können sich hören lassen. Leider ist On Broken Grounds keine Vorschau auf eine LP, denn dafür gibt es derzeit noch keine konkreten (Zeit-)Pläne. Was sehr schade ist, denn wenn die Jungs diesem Stil sowie der Qualität treu bleiben, könnte die Platte ein richtiger Kracher werden.

Anspieltipp: „Said and Done“


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Defated: On Broken Grounds EP
6 €
Nur auf Konzerten bei der Band erhältlich.
Defated auf Facebook

Tracks:
1. Rift City (Intro)
2. On Broken Grounds
3. Ninetynine
4. Said and Done

 

 

 

 

 

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