Konzert: Metallic X-Mas-Festival – Backstage, München, 26.12.13

Eine gar nicht stille Nacht

Weihnachten. Die „stade Zeit“, voll mit Plätzchen, Familienfesten, stillen Nächten, Besinnlichkeit … Da wird einem ja auf Dauer schlecht von! Deswegen gab’s am 26.12.2013 in der Backstage Halle die Rosskur dagegen: Das Metallic X-Mas-Festival wartete 2013 mit einer erlesenen Mischung aus dem schwarzmetallischen Untergrund auf. Und siehe da, über 250 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich von den beschaulichen Familienfesten bei einer ordentlichen Portion Metal zu erholen.

Das Eröffnungskonzert spielten die Münchner Todesmetaller von Craving for Chaos, deren Musik eine regelrechte Tour de Force durch alles ist, was moderner Death Metal zu bieten hat: Heftiges Gedresche, komplexe Riffs, und dazwischen alles, was das Genre hergibt. A propos „hergeben“: Die Fans an diesem Abend wurden von dem Quintett, das 2012 sein Debut mit der EP Arising Disorder gab, reich beschenkt, denn denjenigen, die ihre Halswirbelsäule nicht schonten, warf Sänger Alexander hübsch verpackte Pakete zu. Und da hatte er wirklich einige Kandidaten zur Auswahl, denn beim Publikum kamen Craving for Chaos super an, trotz des eher komplexen Liedguts, das man sich besser zu Hause nochmal in Ruhe aus der Konserve reinziehen sollte. Selten sieht man das Publikum bei der ersten Band des Abends so abgehen – Respekt und gut gemacht, Jungs und Mädels!

Vor Band Nummer zwei hatte ich ein wenig Angst, denn „Harakiri for the Sky“ ist so ein Bandname, bei dem ich immer an ach so düsteren Pop á la HIM, Bullet for my Valentine und Konsorten denken muss – die Sorte von Mädchenmusik, bei der mich das kalte Grauen überkommt, das alle Jahre wieder nur noch von „Last Christmas“ übertroffen werden kann. Ich hatte also immer einen weiten Bogen um die zwei Herren aus Wien gemacht. Umso überraschter war ich nach den ersten paar Songs, denn meine Befürchtung bewahrheitete sich gar nicht – und Harakiri for the Sky entpuppten sich für mich als Überraschung des Abends. Post Black Metal nennen die Wiener ihre Musik. Gemeint ist sehr eingängiger Black Metal eher gemäßigteren Tempos, der von starken Gitarrenriffs dominiert wird und immer wieder in depressives Mid-Tempo verfällt. Die Mischung gefällt mir jedenfalls auf Anhieb, und auch live kann das Duo, das auf der Bühne von drei Musikern unterstützt wird, überzeugen. Für April 2014 ist das zweite Album, betitelt Aokigahara, angekündigt – ich freue mich drauf! Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte sich mal den YouTube-Kanal der Band ansehen und in altes und neues Material reinhören – es lohnt sich!

Leiter geil

Dann passierte etwas, das man aus dem Backstage so nicht unbedingt gewohnt ist: Abinchova betraten die Bühne, und der Sound wurde unterirdisch schlecht. Keine Ahnung, was da passiert ist, an Abinchova lag es sicherlich nicht. Die Folk-Metaller aus der Schweiz waren den Sommer über fleißig und haben ihr zweites Album Wegweiser erfolgreich via Crowdfunding finanziert, das Ende Mai 2014 erscheinen wird. Die sieben Musiker aus Luzern – zwei Damen, die ganz klassisch Geige und Keyboard spielen, sowie fünf Herren – um Sänger Arnaud haben sich mitreißendem Liedgut verschrieben, bei dem auch alle gut abgehen. Das Depressive, Düstere, das noch von Harakiri for the Sky auf dem Gemüt lastet, wird sofort von der extrem guten Laune und der großen Spielfreude der Band hinweggefegt, die überwiegend auf Deutsch singt – für mich ein Pluspunkt. Neben Arnaud greift auch Violinistin Nora immer wieder zum Mikro, aber der größte Teil ihrer gesanglichen Darbietung geht leider komplett unter, da sie doch ziemlich gegen den dominanten Soundbrei anschreien muss. Auf jeden Fall sind Abinchova eine interessante Kombo, die man sich eindeutig mal in Ruhe anhören sollte, sofern man auf diese Art von melodischem Metal steht – das neue Album kommt ja bald.

Schwarzes Metall aus dem schwarzen Wald

Leider legen sich bei den von mir heiß erwarteten Imperium Dekadenz die Soundprobleme nicht – was im Publikum ankommt, ist vor allem Brei, der bestenfalls erahnen lässt, was die Herren auf der Bühne da von sich geben. Erst, wenn man sich in die Nähe des Ausgangs zurückzieht, klingt die Musik wieder einigermaßen erträglich, und von da verfolge ich gespannt den Auftritt des zweiten Duos an diesem Abend, das live von Mitgliedern der Band Vargsheim unterstützt wird, die in diesem Jahr mit dem Album Erleuchtung für Aufsehen sorgt. Imperium Dekadenz machen jedenfalls Schluss mit der guten Folk-Laune, stimmungstechnisch geht es mit den Baden-Württembergern wieder in Richtung Harakiri. Die größtenteils eher langsamen Lieder, dominiert von stimmungsvollen Gitarrenriffs, das kalte Gekeife von Sänger Horaz; dazu eine Bühnenshow, die ohne viel Gehopse und ohne große Ansagen auskommt, machen deutlich, wohin die Reise geht: Zurück zu den Wurzeln, in die tiefen, verschneiten Wälder, doch ohne zu sehr in Richtung Skandinavien zu gehen. Mir gefällt an den Herren aus dem Schwarzwald, dass sie irgendwie den Spagat zwischen Old School und etwas Neuem schaffen und dabei eine dunkle, kalte Stimmung erzeugen, ohne in wilde Raserei zu verfallen oder zu melodiös und keyboardlastig zu werden. Und das transportieren sie live auch ziemlich gut, die ersten Reihen moshen sich in Trance, scheint es. Ich hoffe, dass sich Imperium Dekadenz in Bälde noch einmal in München blicken lassen werden, denn dank der schlechten Abmischung war der Auftritt alles andere als befriedigend.

„Mia teil’n jetz‘ koane Grupp’n ei, bei drei bringa se einfach olle um!“

Mit Akrea verändern sich zwei Dinge: Erstens, wie Sänger Sebi passend bemerkt, senken Akrea den „Satanisten-Anteil“ deutlich, und zweitens erholt sich der Mischer, die Soundqualität wird deutlich besser, wenn auch noch nicht optimal. Der Stimmung tut das keinen Abbruch: Akrea haben die Metaller im Backstage mit ihrer melodisch-harten Mischung aus mehr oder weniger allen Stilrichtungen des extremen Metals fest im Griff. Wer auf schnellen, harten, melodischen Metal á la Eluveitie steht, der aber nicht ganz so folkig daherkommt, sollte jedenfalls mal ins aktuelle Album Lügenkabinett reinhören. Die Ansagen sind in Mundart – man ist ja unter sich -, und man merkt dem Quintett aus der Oberpfalz, das vor einigen Jahren im Vorprogramm der Apokalyptischen Reiter überregionales Aufsehen erregte, vor allem eins an: pure Spielfreude und eine fette Portion Humor. Der eigentlich so gar nicht zu den düsteren deutschen Texten zu passen scheint, durch die sich Akrea auszeichnen – aber auch das stört keinen, denn die Musik macht die Laune, und der schnelle, melodische Metal aus der Oberpfalz geht schnell ins Ohr und noch schneller in den Nacken. Komplett in rot – es ist ja schließlich Weihnachten – absolviert Sebi mit unglaublicher Energie ein Fitnessprogramm der besonderen Art, denn dieser Mensch kann keine Sekunde still stehen, rennt nach links, nach rechts, redet in den Pausen ohne Unterlass mit Publikum und Bandkollegen, die diesem Derwisch in Nichts nachstehen. Für die Zuschauer ist es jedenfalls ein Heidenspaß, die Spielfreude der Band spiegelt sich in der ausgelassenen Stimmung der Publikums wieder, bis in die letzten Reihen. Zum Zuschauen einfach grandios, auch wenn’s musikalisch nicht meins ist, und damit ein würdiger Abschluss einer soweit gelungenen Veranstaltung, auf deren Wiederholung im nächsten Jahr ich mich trotz zwischenzeitlicher Hänger in Sachen Sound schon freue! Ach ja: Ob sich jemand das Akrea-Weihnachtsgeschenk abgeholt hat, das demjenigen, der sich am Merch-Stand nackt ausziehe, versprochen wurde, weiß ich nicht – wohlweislich haben wir die Halle verlassen, bevor jemand Vollzug melden konnte.

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch2: :mosch2:

Mehr Bilder vom Metallic X-Mas hat der Doc für euch hier!

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4 Antworten
  1. Prömer J
    Prömer J says:

    Vorschlag von mir: Metal ist eine Stilrichtung von MUSIK.
    Diese Musik die ich meine kann auf verschiedene Weise begeistern: von Black Metal bis Techno und Rave. Der Bericht wzrde wohl von einem halbharten Möchtegern verfasst, was die Wortwahl angeht. Im übrigen ist auf inhaltliche Fehler zu achten. harakiri for the Sky sind zum Beispiel 5 Menschen aus Salzburg uns Wien und kein Duo.
    Schlechter Bericht hier…

  2. Fannydad
    Fannydad says:

    Holla……da sind einige sehr schöne Bilder dabei ! So wie ich Konzertfotos mag….. Farbflash, Schattenspiel und Nebel ! Daumen hoch Doc !
    Greetz

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