Besser als der Bayerische Filmpreis!

 

Der Münchner Autor Su Turhan stellte am 17. Januar sein neues Buch Bierleichen vor. Nachdem ich sein Vorgängerwerk Kommissar Pascha mit Freude gelesen hatte, konnte ich mir diese Premiere nicht entgehen lassen. Als passenden Rahmen wurden Interessierte vom Verlag Knaur und Autor in das Paulaner Bräuhaus am Kapuzinerplatz in München gebeten.

Zusammen mit anderen Pressevertretern und meiner Webzine-Kollegin und Fotografin Ruby Gloom begann der turhan-fuehrungAbend interessant: Uns wurde die Möglichkeit geboten, mit Su Turhan eine Besichtigung des zur Wirtschaft gehörenden Brauhauses zu machen. Unter der Führung des hiesigen Braumeisters Ulrich Schindler konnten wir uns die Verarbeitung des Hopfens vom Mahlwerk über den Gärkeller bis zum Ausschank der bayerischen Köstlichkeit erklären lassen. Außerdem erfuhren wir auch etwas über die Experimentierfreudigkeit des Hauses bzw. des Brauers, der letztes Jahr beispielsweise erfolgreich ein Weißbier mit Zitronen-Aroma entwickelt hat, dass Hopfenpellets zum Brauen benutzt werden und dass es auch schon einige weibliche Brauer gibt sowie noch so manches mehr. Es war eine interessante Besichtigung mit vielen unbekannten Fakten in netter und amüsanter Begleitung.

Anschließend ging es zurück in den Gastraum der Wirtschaft, um uns nach einer guten bayerischen Brotzeit von Su Turhan unterhalten zu lassen. Mit Live-Musik von Duetto begann die Buchpremiere, danach folgte die Einführung durch Sabine Thomas (Mitorganisatorin des Krimifestivals München): Su Turhan, geboren in der Türkei, aufgewachsen in Straubing, der erste Straubinger Türke, der das Abitur in seiner niederbayerischen Heimatstadt bestand, drehte erfolgreich Kurzfilme, bevor er vom Knaur Verlag um einen Krimi gebeten wurde. Kommissar Pascha wurde 2013 aus der Taufe gehoben (siehe hierzu auch Rezension und Interview mit Su Turhan in der Webzine). Eventuell wird der Roman verfilmt, eine Option hierfür wurde vergeben. An diesem Abend präsentierte man nun den Nachfolge-Krimi Bierleichen, der wieder das Team Migra und den ein oder anderen Toten in den Mittelpunkt rückt.

turhan-thomasNach dieser äußerst sympathisch vorgetragenen Rede betrat der Autor unter großem Applaus die kleine Bühne, und Frau Thomas stellte ihm einige Fragen:
Sabine Thomas: Zeki Demirbilek, was für ein Mensch ist er?
Su Turhan: Der Pius Leipold sagt von ihm, dass er „a guade Haut“ ist, seine Kolleginnen empfinden ihn als Chef, der gerne arbeiten lässt.
S. Th.: Was bedeutet Zeki Demirbilek auf Deutsch?
Su T.: Zeki bedeutet der Kluge, diese Figur habe ich nach meinem Vater benannt. Demirbilek ist der Mädchenname meiner Mutter. Dies soll eine Verbeugung vor meinen Eltern sein. Demirbilek bedeutet eine Faust oder besser das Handgelenk.
S. Th.: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Zeki und Su?
Su T.: Die beiden leben in zwei Kulturen und trinken gerne Bier und Çay.
Zum Abschluss der Aufwärmerunde lud Frau Thomas den Erfinder des Dezernats Migra zu einer Krimilesung mit besonderer Atmosphäre, hinter Gefängnistüren, im Rahmen des Krimifestivals München ein. Dies nahm das Publikum begeistert auf, Su zeigte sich auch nicht abgeneigt, und man kann nur hoffen, dass es auch zustande kommt.

turhan-lesungSu Turhan bedankte sich bei Sabine Thomas für ihre Einführung, zeigte sich erfreut über das zahlreich anwesende Publikum und hieß uns willkommen. Mittlerweile war der Raum voll besetzt. Der Schriftsteller gab uns zur Einstimmung einen kleinen Überblick über das Dezernat Migra: Da ist zum einen die aus Niederbayern stammende Isabel Vierkant, ferner Jale Cengiz, die aus Berlin zur Gruppe gestoßen ist, und Pius Leipold, der im ersten Teil der Kommissar-Pascha-Reihe der Abteilung unfreiwillig zugeordnet wurde.
Bei Bierleichen geht es im weitesten Sinne um Bier und die Handlung spielt im Ramadan. Dies bietet laut dem Autor die Möglichkeit, über die kulturellen und religiösen Gründe dazu zu informieren, nicht bierernst, aber mit Erfahrungswerten. Im Buch geht es erst einmal um Zeki (Pascha halt) und seinen Hunger, den er ausstehen muss, bis es dunkel ist. Ein Toter wird im Münchner Wittelsbacher Brunnen aufgefunden, und in der Hand hält er noch den Henkel eines Maßkruges vom Minga-Bräu. Ferner muss sich Pius Leipold (erfahrener praktischer wie theoretischer Biergenießer) mit seiner eigenen Kommission um die tote, frisch gekürte Biertrinkerin des Jahres kümmern. Zwei Fälle, die über kurz oder lang zu einer Zusammenarbeit von Demirbilek und Leipold führen – jeder auf seine unnachahmliche, eigene Art und Weise, aber doch wieder gemeinsam, nicht immer friedlich, aber doch wirkungsvoll. Und dann ist da noch der aufkommende Protest in München, dass eine alt eingesessene Brauerei nach Istanbul verkauft werden soll, samt Immobilie!

turhan-duettoBegleitet wurde die Lesung vom Trio Duetto (ein Duo, das sich für diesen Abend um einen Mann erweitert hatte). Sie boten bayerische und türkische Musik auf hohem und unterhaltsamen Niveau. Su Turhan las die ausgesuchten Absätze aus Bierleichen nicht einfach nur vor, er kommentierte sie schon mal, verlas sich, stockte, lachte über seine eigenen Worte, kommentierte, alles äußerst sympathisch, publikumswirksam und neugierig machend. Ich habe einzig den kleinen Kritikpunkt, dass es zu viele vorgetragene Absätze waren. Das nächste Mal vielleicht weniger, Su? Am gleichen Abend wie die Premiere wurde der Bayerische Filmpreis verliehen – aber: Ich gebe Dir recht, Su, am Kapuzinerplatz war es bestimmt lustiger!

Im Laufe des Abends gab Turhan so einiges preis: Er ist Krimi-Liebhaber, mag sie alle, von Nord nach Süd. Beim letzten im Fernsehen gezeigten Teil von Henning Mankells Wallander war er sehr enttäuscht, dass es nun vorbei ist.
Mit Kommissar Pascha war er sogar in der Türkei auf Lesereise, das Buch wurde gut aufgenommen. Nur die darin enthaltenen Sexpassagen werden dort nicht so gern gesehen. Die Seiten empfiehlt der Schreiber vor allem auch wegen Pius Leipold, der den größeren bayerischen Anteil im Buch darstellt. Übrigens: Su kann auch singen! Dies gibt er nach dem ersten Kapitel zum Besten: „Zeki, da liegt a toter Türk im Wasser, der is scho hi! …“ (und das Publikum setzte mit ein). Laut Autor weht bei Bierleichen pure Erotik durch das Buch! Sein Einsatz beim Bierfestival hat sich für das Buch ausgezahlt (lacht). Bierfestival – ja sowas gibt es wirklich! Genauso wie die „Biertrinkerin des Jahres“, unter anderem war dies auch schon mal Jessica Schwarz (Schauspielerin). Minga-Bräu – auf so einen Namen muss man erst mal kommen, lobt der Autor sich selbst. Turhan hat sich eine originelle Tatwaffe für seinen Krimi überlegt, aber er sagt natürlich nicht welche. Außerdem mochte der Schriftsteller auch den Braumeister nicht außer acht lassen, der uns durch seine Arbeitsstätte geführt hat, und sprach ihm ein großes Lob für die Führung und seine Arbeit aus.

Vor dem letzten vorgelesenen Teil und am Ende des Abends gab es ein türkisches Lied zu hören: „Istanbul“, ein schöner Rückbezug auf Su Turhans Wurzeln und ein guter Ausklang für einen unterhaltsamen Abend. Das empfand nicht nur ich so.

turhan-istanbul

Mein Fazit: Es war bestimmt nicht meine letzte Lesung mit Su Turhan, einem unnachahmlichen, herzlichen und netten Autor, der noch dazu eine gute Geschichte aufzubauen weiß, diese interessant und witzig vorträgt, trotz kleinerer Versprecher, und dem Schmelztiegel München vielleicht dabei hilft, einander besser zu verstehen.

Rubys Fazit: Ein unterhaltsamer Abend mit einem sehr sympathischen Autor in einer tollen Location. Ein besonderes Lob verdienen auch die Musiker, die ihren Job besser nicht hätten machen können.
(Weitere Bilder sind zu sehen unter Rubys Fotogalerie.)

Übrigens: Es liegt dem Verlag bereits der nächste Kommissar Pascha-Teil vor, Arbeitstitel lautet Kruzitürken. Es wird Zeit, dass ich mich um die Rezension zu Bierleichen kümmere!

Folgende Links zur weiteren Info:
Kapuziner Brauhaus (Führungen sind dort nach Anmeldung möglich)
Musik von Duetto
Homepage Su Turhan
Knaur Verlag: Su Turhan– Bierleichen

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