Band der Woche: Rapture

digi

digi

Epic Fails in Doom Minor, so heißt die aktuelle Platte des Münchner Pop-Grind-Batallions Rapture. Mich haben die Herren auf dem Dark Side of Munich III-Festival überzeugt, nicht zuletzt, weil sie so unglaublich spielfreudig sind und live kein Auge trocken bleibt. Grund genug, den Jungs mal auf den Zahn zu fühlen und sie euch als Band der Woche vorzustellen. Sänger Christian beantwortete bereitwillig unsere Fragen:

Wer verbirgt sich hinter Rapture?
Wir sind ein ziemlich bunter Haufen, der einfach Spaß daran hat, gemeinsam Musik zu machen. Insgesamt besteht die Band in wechselnden Besetzungen seit 1992, dennoch gibt es nicht DEN einen kreativen Kopf, der alles lenkt. Stattdessen kann man uns durchaus als untereinander sehr gleichberechtigt bezeichnen. In erster Linie wollen wir Spaß haben und diesen auch auf das Publikum übertragen.

Müsste man eure Musik in eine Schublade stecken und ein Genre-Etikett darauf kleben, welches wäre das?
Des Musikers liebste Frage. (grinst) Ein Kumpel meinte mal vor einiger Zeit, wir würden Grind Pop spielen – eine Beschreibung, die wir sehr charmant finden, da sie durchaus Elemente enthält, die uns nicht unwichtig sind: eine gewisse kraftvolle Attitüde, in der ja auch viel Wut über bestehende Verhältnisse und Fassungslosigkeit über das steckt, was in manchen Menschen vorgeht, verbunden mit Nachvollziehbarkeit in den Songstrukturen. Songs sollen live „zünden“, und das gerne schneller als nach dem fünften Anhören.
Andere sehen uns im Death Metal beheimatet, was wir aber eher nicht ganz so sehen, weil wir schlicht zu viele stilfremde Elemente in den Songs verarbeiten.

Wie würdet ihr einem tauben Mann den Sound von Rapture beschreiben?

Schwierige Frage. Unsere Absicht bei Konzerten ist, dass es „knuspert“, wie wir sagen. Das lässt sich durchaus hier übertragen, denn das „Knuspern“ spürt man durch den Groove, den gelegentlichen Swing – alles Dinge, die man erst im Bauch spürt, bevor man sie hört. „Knuspersound mit Druck“ wäre eine gute Beschreibung.

Aus welcher Sorte Panik heraus ergeben sich die genialsten Lieder?
Interessanterweise gehören wir nicht zu denen, die aus irgendeiner Panik heraus Songs schreiben – was sicher auch daran liegt, dass wir allgemein entspannter an die Dinge rangehen, weil wir eine komplette DIY-Band sind, die eben keiner Plattenfirma oder Agentur etwas schuldig ist.
Allerdings gibt es natürlich Zeitdruck, den wir uns selber auch mal auferlegen – da kommt dann schon mal ein Song wie „After The Bridge“ von unserer Split-CD Schnittmenge mit My Cold Embrace heraus.
So gesehen ist die Antwort auf die Frage: Zeitdruck.

Welches Instrument wird sicherlich NIE auf einem Rapture-Album zu hören sein?
Rapture versteht sich als grenzenfreie Band – also ist theoretisch jedes Instrument im Bereich des Möglichen. Allerdings achten wir sehr auf die Umsetzbarkeit eines Songs auf der Bühne. So wird es wohl letztlich bei zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang bleiben – Gastbeiträge befreundeter Musiker natürlich nicht ausgeschlossen. (lacht)

banbild3

Welche Platte sollte man auflegen, wenn man morgens aus dem Bad spaziert und das wunderhübsche Mädchen von gestern Nacht noch im Bett liegt?

Haha, großartig! Wenn diese wunderhübsche Frau von gestern Nacht ansonsten nur ganz bösen Black Metal oder nur den nihilistischsten Industrial hören sollte, empfehlen wir Epic Fails In Doom Minor. Für gewöhnlich dürfte man allerdings unsere Musik kaum für romantische Stunden nutzen können, es sei denn, man möchte die Frau schnell aus dem Haus haben. (grinst)

Von welchem Song wünscht ihr euch, dass ihr ihn geschrieben hättet?
Das ist ganz klar etwas, worüber jeder von uns eine andere Meinung hat. Verständlich, wenn man weiß, dass wir recht unterschiedlichen Alters sind (24 – 41 Jahre). Tobi hätte am liebsten „Symbiotic In Theory“ von Necrophagist geschrieben, Victor Panteras „Revolution is my Name“, Thomas „Demanufacture“ von Fear Factory, Eric „Quote Unquote“ von Mr. Bungle und Chris von Entombed „Out Of Hand“.

Kein Alkohol ist bekanntlich auch keine Lösung – eine Alk-Kombination, nach der ihr ganz sicher keine Probleme mehr habt?

Erwischt! Zu Alkohol haben wir eher eine geringere Affinität. Da wir in Bayern sind, trinken wir lieber Bier, allerdings nicht sonderlich oft. Teilweise trinken wir auch gar keinen Alkohol.

Woran erkennt man einen Freund?
Dass er einem auch unangenehme Sachen ins Gesicht sagt – und das bitte unverblümt.

Wer war der Held eurer Kindheit?
Nun, jetzt kommt es, wie es kommen musste: es sind mehrere Helden. Dennoch gibt es da mehr Überschneidungen als bei den Songs: Pumuckl, Captain Future und der Kojote aus Roadrunner sind und bleiben in jedem Fall verehrungswürdig.

Sind wir allein im Universum?

Das glaube ich nicht. Das All ist zu groß und zu unerforscht, als dass man ausschließen sollte, dass es nur auf diesem Planeten intelligentes Leben gibt (gut, man kann jetzt über die menschliche Intelligenz trefflich streiten.). Vor 700 Jahren hat man geglaubt, dass die Erde das Zentrum von allem sei, zu einem anderen Zeitpunkt, dass sie flach sei. Kurzum: nur, weil wir das Gegenteil noch nicht herausgefunden haben, heißt das nicht, dass wir alleine sind.

Was steht als Nächstes an – Tour? Studio? Auszeit? Ganz was anderes?

Auszeiten gibt es bei uns an sich nicht. Das liegt wohl daran, dass uns der Druck einfach fehlt, etwas abliefern zu müssen. Also bleibt es wie immer: wir schreiben Songs (mal schneller, gern aber auch mal langsamer), spielen so viele Gigs wie möglich (ja, das ist durchaus ein Wink mit dem Zaunpfahl für jene, die etwas veranstalten: wir kommen gern!), und sobald wir ausreichend viel Material haben, nehmen wir wieder in Eigenregie auf. Zeitpunkt noch ungewiss. Woran wir gerade arbeiten, verraten wir noch nicht so gern, aber ein kleiner Hinweis: es hat etwas mit der Frage zu tun, ob wir allein im Universum sind. (grinst)

 

Mehr über Rapture erfahrt ihr- auf rapture-munich.de
– auf Facebook
– auf dem Rapture-Youtube-Channel

Und wer jetzt Bock hat, sich live von den Qualitäten dieser fünf jungen Herren zu überzeugen: Am 4. April spielen Rapture im Route 66 zu Haar!
Quelle Fotos: Band

(1883)